Jeder Dritte weiß nicht, wie teuer Pflege ist

67 Prozent der Bundesbürger hatten schon einen Pflegefall im Familien-, Bekannten- oder Freundeskreis – und rund jeder Dritte hat selbst schon einmal jemanden gepflegt. Das sind zentrale Ergebnisse der „Pflegestudie 2022“ aus dem Hause Hanse-Merkur. Der Versicherer wollte wissen, wie gut die Menschen hierzulande über das Thema Pflege informiert sind, wie belastend pflegende Familienangehörige ihre Situation wahrnehmen und was die Menschen sich für die eigene Pflege wünschen. Die Ergebnisse seien ein „Weckruf“ heißt es im Papier.

„Thema ist irgendwann in jeder Familie präsent“

„Vier von fünf Frauen und zwei von drei Männern werden rein rechnerisch pflegebedürftig, damit ist das Thema irgendwann in jeder Familie präsent“, ordnet Marko Böttger, Abteilungsleiter Kooperationen betriebliche Pflegezusatzversicherung der Hanse-Merkur, die Relevanz der Studienergebnisse ein. Und obwohl die meisten Deutschen vermuten, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Kosten in der Pflege zu decken, haben sich mehr als die Hälfte noch nicht über die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung informiert.

Konkret haben 36 Prozent der Deutschen laut Studie keine Vorstellung davon, wie hoch die Kosten in der Pflege liegen. Im Durchschnitt rechnen die Befragten mit rund 1.000 Euro im Monat – und liegen damit weit daneben. Die Hanse-Merkur beruft sich dabei auf Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), nach denen für die Pflege im Schnitt 2.248 Euro pro Monat fällig werden.

Pflegebereitschaft ist hoch

Ferner litten diejenigen, die bereits selbst gepflegt haben, mitunter stark unter dieser zusätzlichen Belastung im Alltag (61 Prozent) oder merkten gar, dass die eigene Gesundheit darunter litt (47 Prozent). Ein möglicher Grund: Zum größten Teil haben sie zusätzlich in ihrem Beruf weitergearbeitet (73 Prozent).

Von denjenigen, die noch keine Pflegeerfahrungen haben, lehnt nur ein kleiner Teil (13 Prozent) die Pflege einer nahestehenden Person ab. Erstaunlich hoch (73 Prozent) ist dabei die Bereitschaft, die Berufstätigkeit zu reduzieren oder sich eine Auszeit zu nehmen. Diese Aussagen haben hohe Brisanz, weil sie direkten Einfluss auf die Arbeitswelt haben. „Für viele Unternehmen ist es bereits heute die größte Herausforderung, genügend Fachkräfte zu gewinnen. Wenn sie dann noch wichtige Mitarbeiter an die Angehörigenpflege verlieren, verschärft dies den Fachkräftemangel gravierend“, beschreibt Böttger die Situation.

Autor/in

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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