„Ich wünsche mir mehr Mut bei der Annahmepolitik“

Versicherungsmakler Christian Siever hat sich auf die Absicherung von Menschen mit Behinderung spezialisiert. Denn immer wieder hat es diese Zielgruppe Probleme, wenn es um den passenden Versicherungsschutz geht. Welche das sind, und was sich Siever von den Anbietern wünscht, lesen Sie im Interview.

Pfefferminzia: Herr Siever, Sie sind Versicherungsmakler und haben sich unter anderem auf die Zielgruppe der Menschen mit Behinderungen spezialisiert. Wie kam es dazu?

Christian Siever: Ich selbst bin schwerbehindert. Als Mensch mit Behinderung weiß ich um die Bedürfnisse und Probleme, die mit einer körperlichen Behinderung einhergehen. Seien es Probleme, die im Alltag auftauchen, Probleme mit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung oder anderen Kostenträgern. Ich habe einen großen Erfahrungsschatz aufbauen können, den ich in der Beratung einsetzen kann.

Zu Beginn meines Studiums der Humanmedizin und Biologie bin selbst auf einen „Versicherungsberater“ hereingefallen. Danach hatte ich nach einem Unfall 2019 noch eine Rechtsstreitigkeit um Leistungen aus einer Unfallversicherung mit einem Versicherer. Die beiden prägenden Erfahrungen haben mich motiviert, es für andere Menschen anders zu machen; ich wollte etwas verändern. Deshalb habe ich unter anderem den Fokus auf Menschen mit Behinderung gesetzt. Auch die Wahl, den Weg des Maklers zu wählen, kommt aus dieser Erfahrung. Ich bin keinem Unternehmen verpflichtet als Versicherungsmakler, sondern nur dem Kunden. Gerade für Menschen mit Behinderung ist diese Unabhängigkeit wichtig.

Welche typischen Probleme oder Fallstricke tauchen immer wieder auf, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung zu versichern?

Siever: Beispiel Haftpflichtversicherung – nicht jede private Haftpflichtversicherung versichert Menschen, die als deliktunfähig gelten. Gerade bei Familien mit einem schwerbehinderten Kind, das nicht deliktfähig ist, kann dies zu Problemen führen. Ein anderes Beispiel ist die private Unfallversicherung; hier geht es oft um das Kleingedruckte. Viele Versicherer leisten beispielsweise nicht, wenn ein Pflegegrad – die Höhe kann variieren – besteht. Das erfahren viele Versicherungsnehmer oft leider erst, wenn es darum geht, dass sie eine Leistung aus der Versicherung erwarten.

Viel wichtiger finde ich jedoch einen anderen Ansatz: die Verhütung und Absicherung von potenziellen Behinderungen! Dem „gesunden“ Menschen ist oft nicht bewusst, wie teuer Behinderung und Krankheit sein können. Alle wollen die teuerste und beste Autoversicherung, aber die Berufsunfähigkeitsversicherung oder private Pflegeversicherung ist für viele unwichtig. Ich sehe da meine Rolle in der Aufklärung.

>>> Sie wollen weiterlesen? Hier geht es zum vollständigen Interview auf Pfefferminzia.de

Autor/in

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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